Am Samstag wurde die KPR (Kunst Peripherie Ruhrstadt) eröffnet. Allerdings ohne mich. Am Mittwoch war ich dann dort zur ersten »Folge« des Kanzellesens. Gelesen hat Jan Philipp Zymny. Und so viel sei schon verraten: Mann, ist der fertig – im positiven Sinne.

Die KPR hat dieses Jahr ihre Heimat in einer entwidmeten Kirche in der Gelsenkirchener Neustadt gefunden (Josefstraße 14). Passend zur Veranstaltung wurde diese Kirche auch etwas umgestaltet: So findet man jetzt zwei Theken in ihr, neben Steh- und Bistrotischen mit entsprechenden Sitzmöglichkeiten. Auch darf innerhalb der Kirche geraucht werden, was wohl auch eher selten ist in solchen Häusern. Weiterhin stellen es auf der Empore und im Kirchturm diverse Künstler ihre Werke aus. Und auch der Keller wurde genutzt, hier hat Helmut Warnke ein »Raum-Kunstwerk« mit Bezug zum Nahen Osten installiert.

Für diese Kunstausstellung allein würde sich der Besuch schon lohnen. Aber auch sonst gibt es noch vieles zu entdecken, was man sonst so nicht sieht bzw. sehen kann, wie z. B. das alte Uhrwerk. An Veranstaltungstagen ist die Kirche ab 16.00 Uhr geöffnet, das Programm beginnt meist gegen 19.00 Uhr, so dass man hier genügend Zeit hat, sich in Ruhe umzuschauen und/oder gemütlich was zu trinken. Natürlich ist dies auch den ganzen Abend über möglich. Und Programm gibt es reichlich, z. B. Theater, Tanz, Musik, Poetry Slam oder Autoren-Lesungen. Die genauen Termine gibt es auf der KPR-Seite.

Eine Mischung aus Slam und Lesung wurde am Mittwoch geboten – und das nicht zu knapp. Die Lesereihe »Kanzellesen – Literaten lesen aus ihren Werken« wird vom C@fe-42 organisiert, das ja nicht zuletzt auch für seine Lesungen und Poetry Slams bekannt ist. Moderiert wird die Reihe von Michael Meyer und Dirk Juschkat. Einigen (vielen?) dürfte der Künstler des Abends u. a. auch aus dem C@fe-42 kennen: Jan Philipp Zymny. Nach der Eröffnung durch Michael Meyer durfte Jan Philipp Zymny auf die Bühne – und der Wahnsinn nahm seinen Lauf.

Das ist nicht negativ gemeint, ganz im Gegenteil. Wie oben schon geschrieben, ist der Künstler im positiven Sinne komplett durchgeknallt. Und genau das bringt er auch rüber. So bringt er sein Publikum von einem Lachanfall zum nächsten, aber ohne platt zu sein oder zu wirken. Er spielt mit der Sprache und mit Übertreibungen. Und als wäre das noch nicht genug, greift er zwischendurch zur Auflockerung (oder zum Durchatmen?) noch zur E-Gitarre. Dem Publikum hat es gefallen; das merkte man nicht zuletzt daran, dass sie den Künstler auch nach der zweiten Zugabe nicht von der Bühne lassen wollten.

Der Künstler konnte auch direkt unterstützt werden: Der Eintritt war frei, um einen Künstlerbeitrag wurde gebeten. (Dies soll während der ganzen Reihe  »Kanzellesen« so beibehalten werden.) Der zur Location passende Klingelbeutel war zwar nicht greifbar an dem Abend, dafür aber ein Hut. In diesen konnte jeder reinlegen, was ihm der Abend wert war: Knöpfe, Münz- oder auch Papiergeld. Außerdem bestand auch die Möglichkeit, Bücher zu kaufen, quasi direkt vom Erzeuger. Bücher vom freilaufendem Autor.

Ich denke, ich kann mit Recht sagen: Wer im Publikum saß und  nicht gelacht hat, der darf sich als spaßbefreit bezeichnen. Um den Abend mit einem Wort aus Jan Philipp Zymnys Programm zu beschreiben: Awesome!

Mehr Fotos …
… gibt es in der Galerie. Hier zu Jan Philipp Zymny und hier zur KPR allgemein.