Google hat diese Tage ja angekündigt, den Reader im Sommer einstellen zu wollen. Schade, ich mochte ihn, war eine gute Lösung, um platformübergreifend RSS-Feeds zu lesen. Also habe ich die letzten Tagen neben Krankenhausbesuchen Zeit damit verbracht, Ersatz zu suchen.

Alternativen gibt es ja einige, wie man beispielsweise bei Caschy, Florian Kohl oder der Karlshochschule nachlesen kann. Da ich wieder einen Web-basierten Service wollte, schränkte das die Auswahl schon ein. Ich habe mir dann drei rausgepickt, um sie mir etwas genauer anzusehen. Meine Wahl war: Feedly, The Old Reader und Tiny Tiny RSS. Noch kurz beim Google Reader die Feed-Liste exportieren und schon konnte es losgehen.

The Old Reader

Nachdem was ich gelesen habe, versucht »The Old Reader« den alten Google Reader nachzubilden. Da ich diesen nicht kenne (ich bin wohl erst mit der Neugestaltung des Google Readers zu diesem gewechselt; vorher hatte ich ein Desktop-Programm (Akregator bzw. Liferea)), kann ich dazu nicht viel sagen. Generell kann ich zu diesem Anbieter nicht viel sagen, da sie es innerhalb von fünf Tagen immer noch nicht geschafft haben, meine Feed-Liste zu importieren. Innerhalb dieser Zeit bin ich auf der Warteliste von Platz irgendwas um 39000 auf Platz 15000 vorgerückt. Und meine Liste ist eigentlich nicht so lang mit 97 Feeds. Wenn die mit dem Einsammeln der einzelnen Beiträge in den Feeds genauso schnell sind, gute Nacht …

Feedly

Feedly wird als Plugin für Chrome oder Firefox (oder iPhone, iPad, Android oder Kindle) installiert, also mit ein oder zwei Klicks erledigt. Der Import der Feed-Liste ging in sekundenschnelle und schon waren die ersten Beiträge abgerufen. So wie es sein soll. Dann fällt auch schon die andere Startseite auf: Ich finde, sie wirkt moderner als die Startseite vom Google Reader. Auch für die einzelnen Feeds kann man verschiedene Anzeigemodi einstellen, von Listen (wie im Reader) über Mosaic bis hin zum Magazin-Stil. Diese Einstellung kann auch für jeden Feed getrennt vorgenommen werden. So kann man z. B. für einen Foto-RSS-Feed auf Mosaic oder Cards stellen, während man einen News-Feed mit vielen Einträgen eher auf Titel stehen lässt. Auch die Hintergrundfarbe der Seite lässt sich einstellen, 15 Farben stehen zur Auswahl.

Tiny Tiny RSS

Der dritte im Bunde ist Tiny Tiny RSS. Anders als die anderen beiden ist dies kein eigenständiger Service, sondern eine Software, welche unter der GNU GPL lizenziert ist. Man braucht also einen eigenen Server, oder Webspace, der die Anforderungen erfüllt. Die Installation ging recht einfach. Dann noch eben schnell die Feed-Liste importieren und schon konnte es losgehen. Zugegeben, die Oberfläche ist jetzt nicht die schönste, aber auch nicht die schlechteste. Sie ist schlicht aber funktional und dem Zweck angemessen. Es lenkt nichts von den eigentlichen Inhalten ab. Eine App für Android gibt es auch.

Man kann tt-rss sowohl im Ein-Benutzer-Modus betreiben, als auch im Mehrbenutzer-Modus. So kann man sich durchaus eine Installation mit mehreren Teilen. Es gibt drei verschiedene Zugriffsberechtigungen, die man den einzelnen Benutzern zuweisen kann: Benutzer, erfahrener Benutzer und Admin. Jeder Nutzer kann auch eigene Filter oder Label anlegen, die dann entsprechend zugewiesen werden. Selbst um das CSS anzupassen gibt es in den Einstellungen einen eigenen Punkt.

Mein Favorit

Mein Favorit zur Zeit ist Tiny Tiny RSS: Damit bin ich unabhängig von einem Anbieter, bin aber auch selbst für die Verfügbarkeit verantwortlich. Mit der eher spartanischen Oberfläche kann ich gut leben. Von den gebotenen Möglichkeiten nutze ich auch noch nicht alle. Knapp dahinter rangiert Feedly, optisch sehr schön gemacht, sehr schnell. Der einzige Grund bisher, tt-rss den Vorzug zu geben, ist die Unabhängigkeit von einem Anbieter. Abgeschlagen auf dem dritten Platz ist »The Old Reader«. Hauptsächlich, weil ich ihn noch nicht wirklich gestetet habe, weil ich immer noch auf den Import meiner Feed-Liste warte. Mehr als 120 Stunden sind dafür einfach viel zu lang (und ich hab noch 15000 andere vor mir, wird also noch ein paar Tage dauern). Ich könnte zwar die Feeds einzeln hinzufügen, doch dazu hab ich keine große Lust. Immerhin bieten die ja eine Import-Option an. Wenn meine Liste dann nächste Woche oder so mal importiert ist, werde ich mir den Old Reader noch mal angucken. Aber ich denke, dass ich erst mal bei Tiny Tiny RSS bleiben werde.