Die Wohlklang Wortbühne in Wattenscheid lud am Mittwoch zu einem Literaten-Slam ein. Also ein Poetry Slam mit Buch-Autoren. Ansonsten gleiche Regeln: Sechs Minuten Zeit um das Publikum zu überzeugen, keine Requisiten, kein (überwiegender) Gesang, eigene Texte.

Und so trafen sich sechs Literaten, um den besten des Abends zu kühren: Jürgen Ludwig, Lars Albrecht, Dirk Juschkat, Brigitte Vollenberg, Rainer Wüst und Sven Pörsch (in ebendieser, gelosten Auftrittsreihenfolge).

Einige der Autoren hatten bereits Erfahrungen auf »normalen« Poetry Slams gesammelt, andere hatten im Vorfeld Bedenken bis Probleme, eigene Texte zu finden, die ins Zeitlimit passen.

Wie üblich gab es auch diesmal zwei Vorrunden mit allen Literaten, die Rückrunde in umgekehrter Startreihenfolge. Und so unterschiedlich das Teilnehmerfeld war, so unterschiedlich waren auch die Texte: Jürgen hatte in der ersten Runde einen Rant über’s »Gesichtsbuch« und outete sich in der zweiten Runde als Nuti, als Nutella-abhängig.

Lars dagegen schrieb über das karge Studentenleben und eine Gerichtsverhandlung mit anschließendem Besuch in vergitterten Räumen. Gewohnt lyrisch ging es bei Dirk zu, eher ungewohnt eines der bedichteten Objekte: Eine Waage. Eher gewohnt: Bier und Tresen.

Ungewohnt lyrisch ging es mit Brigitte weiter; sie ist eigentlich eher für Krimis bekannt. Dass sie auch Gedichte schreiben kann, hat sie hier aber eindrucksvoll bewiesen. Auch der zweite Text war kein Krimi, sondern der Versuch, eine einzelne Schraube im Baumarkt zu kaufen. Dank Botox lächelte sich danach Rainer in seinem Text durch die erste Runde; in der zweiten erzählte er dann von »Wachtmeister Mutter«.

Zum Abschluss der ersten Runde kämpfte Svens Komissar noch mit dem Autoradio. Zum Beginn der zweiten Runde gab er uns noch einen Einblick in die Cranger Kirmes. Nach einem kurzen »Disput« mit dem Moderator des Abends, Michael Meyer, einigten sich beide darauf, dass der Text nur die Besucher von Außerhalb widerspiegelt.

Nach beiden Runden durfte das Publikum abstimmen, indem jeweils drei Namen auf eine Karte geschrieben wurden. Nach dem Aus- und Zusammenzählen stand fest: Das Finale bestreiten Dirk, Rainer, Sven und Brigitte, die alle punktgleich waren.

Dirks Text über das »Depressivum« war überschrieben mit »Der mit dem Knall«. Rainer machte allen Anwesenden Hunger, erzählte er doch von seiner Zubereitung des perfekten Steaks (was er dann leider nicht essen konnte). Sven schaffte in seiner Zeit zwei Texte: Über Weihnachten als Waldorfschüler und der zweite über Ampelmännchen. Auch bei Brigittes dritten Auftritt wurden Krimifreunde enttäuscht – ihr Text enttäuschte allerdings nicht: Sie beschrieb ihre Erlebnisse am Leergutautomaten und welche Menschen man dort treffen kann.

Ein letztes Mal musste das Publikum seiner Pflicht nachkommen, diesmal durfte jeder allerdings nur einen Namen auf die Karte schreiben, was die Sache nicht unbedingt einfacher machte. Den dritten Platz belegte Brigitte, hinter Rainer und Sven, die punktgleich auf Platz Zwei gewählt wurden. Dirk Juschkat hat also den Literaten-Slam der Wohlklang Wortbühne gewonnen. Herzlichen Glückwunsch nochmal.